Forderung 2:

Intelligente Wehrbetriebsordnungen für Donau, Inn und Salzach.
(Vorabsenkung bei Hochwasser)

Warum brauchen wir diese Lösung?

Die Wehre der Donaukraftwerke werden derzeit nur über einfache Tabellen in den sogenannten Wehrbetriebsordnungen (WBO) abhängig von den Wasserständen im Stauraum gesteuert.

Es wird erst reagiert, wenn das Hochwasser im Stauraum angekommen ist. Es wird nur nach einem bestimmten Pegel gesteuert.

Wenn sich andere wichtige Wasserstände oberhalb oder unterhalb in der Praxis  nicht so verhalten wie bei der Erstellung der WBO angenommen, dann wird das nicht berücksichtigt (zum Beispiel war der Unterwasserpegel beim KW Ottensheim 0,6m höher als in der theoretischen Modellrechnung).

Aktuelle Messwerte von weiteren Pegeln im oberen Stromverlauf, an Nebenflüssen, Niederschlagsmengen oder gar Wasserstandsprognosen werden dabei nicht berücksichtigt.
Wir nennen dies unintelligente Wehrordnungen.

Vorhandene Rückhaltekapazität wird nicht genutzt. Aktuell ist nur aus Bayern bekannt, dass Maßnahmen zur Minderung der Hochwasserspitze geplant sind. Stattdessen denken Bund und Land an die Schaffung neuer Überflutungsgebiete auf Kosten der Bevölkerung.

Was ist zu tun?

Bei drohendem Hochwasser-werden die vorhandenen Stauräume abgesenkt.(Vor-Absenkung). Dadurch entsteht Rückhaltekapazität, die dazu genutzt wird, durch Wiederanstau bei Eintreffen der Hochwasserspitze zumindest einen Teil des Hochwasservolumens zurückzuhalten (siehe: „Intelligente WBOs (Wehrbetriebs-Ordnungen)“ ).

Ablauf intelligente Wehrbetriebsordnung mit Vorabsenkung an Kraftwerkskette (Kettenstauregelung)
Abbildung: Ablauf intelligente Wehrbetriebsordnung mit Vorabsenkung an Kraftwerkskette (Kettenstauregelung)

Voraussetzung dazu ist eine gute Hochwasserprognose (EDV gestützte Vorhersagemodelle) und eine zentrale Koordination der Kraftwerke (Kettenstauregelungen). Wir nennen das eine intelligente Wehrordnung.

Wenn aktuelle Messwerte zeigen, dass das der Steuerung zugrundeliegende Modell falsch bzw. überholt ist, dann muss darauf sofort reagiert werden. z.B.:  ist das Stauziel im darunterliegenden Kraftwerk anzupassen , wenn es durch einen überhöhten Unterwasserpegel beim obenliegenden Kraftwerk zu einem Rückstau kommt.

Wirkungsbeweis

Seitens der Kraftwerksbetreiber wurde in der Vergangenheit oft gesagt, dass Kraftwerke Hochwasser nicht zurückhalten könnten und Vorabsenkung nur im „Zentimeterbereich“) wirkt.
Dazu unsere Stellungnahme:

  • Auch wenn nicht das gesamte Hochwasser zurückgehalten werden kann, bei der Hochwasserspitze zählt jeder Dezimeter. Es macht für die Betroffenen einen riesigen Unterschied aus ob nur der (ohnehin ausgeräumte) Keller vollläuft oder der Wohnbereich zerstört wird.
  • Hier ein Video dazu, welches die Wirksamkeit erläutert:
    Kettenstauregelung als wirksamer Schutz gegen Hochwasser
  • Wenn jedes Kraftwerk an Inn und Donau nur 10cm von der Spitze zurückhalten kann, dann summiert sich die Wirkung über die gesamte Kraftwerkskette (19 Kraftwerken am Inn und 10 an der Donau).

Das wurde auch wissenschaftlich untersucht („… Somit  wird  deutlich, dass  eine  Koordinierung  mit  vier  Staustufen ebenfalls  eine deutliche  Reduzierung  der  Hochwasserwelle erlaubt  und  somit  wirksamer  ist  als eine koordinierte  Steuerung  von  drei  oder weniger Staustufen.“ aus:TU Studie „Koordinierte Steuerung der Staustufen  Abwinden-Asten, Wallsee-  Mitterkirchen,  Ybbs-Persenbeug  und  Melk“ 1999, Auftraggeber DOKW, nachzulesen in einer Studie der TU Wien. Der Original-Link dazu lautet(e): http://www.verbund.com/pp/~/media/5D19E349A752400CB16DE313752BFF8A.pdf

Annahme bei dieser Studie war (entsprechend den Forderungen des Auftraggebers mach optimaler Energieerzeugung; siehe Pkt.2.2 , Seite 4), dass  erst kurz vor Eintreffen der HW-Spitze die Stauhöhe reduziert wird, und nicht die maximal mögliche vorbeugende Absenkung. Das mindert den Effekt zwar stark, dennoch weist auch diese Studie die positiven Effekte nach.

Ganz wesentlich ist, dass nicht erst bei Eintritt der Katastrophe ( kurz vor der HW-Spitze) sondern bereits zuvor die gesamte Stauraumkette abgesenkt ist und während des Entleerungsvorgangs möglichst viel Sedimente kontrolliert im Flussbett abgeführt werden.
Kraftwerksbetreiber argumentieren im Übrigen oft, dass die gesamte bei einem Hochwasser abfließende Wassermenge die abgesenkten Stauräume rasch auffüllen würde. Dies ist aber irreführend, da

  1. ja auch während des Wiederanstaus ein großer Teil des Wasser weiterfließt und es
  2. nur um die letzten 5-15%  der Gesamtwassermassen geht, welche den größten Schaden verursachen

Je länger dann die vorabgesenkte Stauwerkskette ist, umso höher ist der Gesamteffekt.

Es gibt zahlreiche Beispiele für den Einsatz von Vorabsenkungen zum Hochwasser-Management:

Selbst an der Donau gibt es ein Beispiel. Beim Hochwasser 2013 konnte durch den Wiederanstau in Aschach ab 3.6.2013 um 3h früh (übrigens entgegen der unintelligenten WBO) der vorher sprunghafte Anstieg der Überschwemmung im Eferdinger Becken gestoppt, die Linzer Industrie gerettet und eine Umweltkatastrophe verhindert werden. 

Im Übrigen war bei der Errichtung des Kraftwerks Ottensheim 1970 bereits eine intelligente Wehrordnung im Zusammenspiel mit anderen Kraftwerken vorgesehen (Punkt 34 der wasserrechtlichen Bewilligung).

Aber auch im Bescheid zur Errichtung des Kraftwerks Aschach 1960 ist eine vorbeugende Absenkung angeführt ( Pkt III. 2.: : „Bei zu erwartendem Hochwasser kann eine Vorabsenkung des Stauspiegels soweit angeordnet werden, als dies für die Unterlieger keine zusätzliche Hochwassergefahr bringt.“) .

Es ist einfach intelligenter vorhandene Stauseen zu nutzen (oder Flutpolder zu errichten; s.u.)  als wertvollen Siedlungsraum zu entvölkern, die Umwelt und Menschen zu gefährden.

Wer ist verantwortlich für die Umsetzung?

Das Lebensministerium (BM Rupprechter) ist dafür zuständig den Kraftwerksbetreibern intelligente Wehrordnungen vorschreiben.

Die Landesregierungen (LH Pühringer, LH Pröll, LH Haslauer, LH Platter) sind für die Hochwasser-Prognosen und für die Wehrbetriebsordnungen an Salzach, Traun und Inn zuständig um die WBO’s   betreffend vorbeugendem Staumanagement zu ändern und in Einklang mit den WBO’s für die Donau zu bringen.

Wir erwarten nicht, dass die Betreiber selbst tätig werden, denn die Vorabsenkung eines Stauraumes führt dazu dass in der Zeit bis zum Wiederanstau weniger Strom produziert werden kann.

Unsere Meinung dazu: Der volkswirtschaftliche Schaden eines Hochwassers ist bei weitem höher als dieser Produktionsausfall, der wahrscheinlich weniger als 1/1000 der Produktionstage betreffen würde. Die Kosten für den Staatshaushalt sind praktisch Null.

Eine Gefahr der Stromversorgung ist übrigens nicht zu erwarten, weil im genug „Vorwarnzeit“ zum Hochfahren von Gas- oder Kohlekraftwerken zur Verfügung steht und Hochwasser meist in den Sommermonaten auftreten wo der Stromverbrauch generell geringer ausfällt.

Da die optimale Wirkung der Vorabsenkung vor allem von der Qualität der Prognose abhängt, nehmen wir auch an, dass auch die Angst vor schlechter Publicity, wenn es einmal nicht so optimal funktioniert die Kraftwerksbetreiber davon abhält.