Ob violette Zone, gelbe Zone ob Absiedler oder Dableiber:
Ohne bessere Lösungen gehören alle zur Gruppe der Enteigneten.

Vor kurzem habe ich auf der Plattform hochwasser2013.at einige Fragen an diejenigen gestellt, die derzeit überlegen, ob sie das Absiedlungsangebot annehmen sollen.

Eine Bewohnerin aus Hagenau hat geantwortet.

 

Sehr geehrter Herr Zincke,

            Ihr Engagement für das Thema Hochwasser ist unübersehbar. Die gesellschaftlichen Entwicklungen deuten ja eher darauf hin, dass Menschen mit Zivilcourage, Menschen die “aufstehen und reden”  zur Seltenheit werden, jedoch möchte ich Sie höflich darauf hinweisen, dass es für mich als Betroffene (im Absiedelungsgebiet wohnend) sehr befremdend  - um nicht zu sagen respektlos uns gegenüber - wirkt, dass Sie sich ungefragt in - verzeihen Sie diese direkte Formulierung - in “unsere Angelegenheiten” einmischen. Werte wie Selbstbestimmung, Toleranz und das Vertrauen darauf, dass jeder Mensch fähig ist für sich selbst Entscheidungen zu treffen sollten bei Ihrem Engagement doch nicht übersehen werden.

             In der Folge beantworte ich Ihnen gerne Ihre an uns Absiedelungswilligen gestellten Fragen (Anm. unter ). Erlauben Sie mir vorab jedoch auch einige Fragen an Sie:

                 Woher kommt Ihr starkes Engagement? Was ist Ihr Ziel?

 

 

 

     Sehr geehrte Frau …..,
danke, dass Sie die Dinge direkt ansprechen, die Sie bewegen. Lassen Sie mich meinen Standpunkt klarstellen.

Zu Ihren Punkten:

Ziel: Wir (die Initiative Hochwasserschutz Eferdinger Becken) setzen uns dafür ein, dass wir gemeinsam  bessere Lösungen finden als das, was derzeit von Land und Bund angeboten wird. Wir haben das auch im Internet  klar formuliert. Unsere Ziele sehen wir erreicht, sobald Folgendes zutrifft:

 

     Es wurden geeignete Maßnahmen für ein aktives Hochwasser-Management ergriffen, die dafür sorgen dass *niemand zum Absiedeln gezwungen*  wird (weder durch Verordnungen, noch durch finanziellen oder öffentlichen Druck) und dass niemand durch behördliche Maßnahmen (etwa Entzug von Baugenehmigungen) Schaden am eigenen Besitz erleidet, also niemand enteignet wird.

 

     Mein Engagement: Das kommt daher, weil ich - wie alle anderen Betroffenen auch - viel sauer verdientes Geld in mein Eigenheim gesteckt habe und nicht gern enteignet werde. Ich denke da geht es Ihnen genau so.

 

 

 

                 Ihr soziales Engagement in Ehren - aber warum genau kämpfen Sie für eine Gruppe der Sie nicht angehören?  Sind Sie Besitzer/Bewohner einer Immobilie in der definierten Absiedelungszone?

 

               

 

 

     Gruppe: Der springende Punkt ist aber: Ob violette Zone, gelbe Zone ob Absiedler oder Dableiber: alle gehören zur Gruppe der Enteigneten. Nur vielen Betroffenen ist das noch gar nicht richtig bewusst. Man muss schon sehr genau hinhören und noch genauer lesen und noch genauer rechnen, dass man alle Konsequenzen des Entvölkerungsplans auch richtig einschätzen kann.

 

     a) Nehmen wir an,  Sie nehmen das Absiedlungangebot an.
Dann verlieren Sie auf alle Fälle einmal den Wert Ihres Bau-Grundstücks.

Was haben Sie gezahlt? 50€ pro m² nach heutigem Geld ? Viel weniger, weil er von Grünland umgewidmet wurde? Egal: Als Bauland war er schon mal 40.000€ bei 800m² wert.
Nicht vergessen, sie haben damals auch Grunderwerbssteuer 1200 € und Kanalanschlussgebühren bezahlt (ich kann mich nicht mehr erinnern, aber es war wohl auch mehr als ein 1000er). Auch das ist nichts mehr wert. Dann kommen die Abrisskosten für Ihr Haus. Nicht vergessen, die Entsorgung. Bauschutt deponieren ist nicht mehr gratis. Da können schon mal 12000€ zusammenkommen. 2400€ davon werden nicht ersetzt. Dann zu ihrem Haus: Nehmen wir an, Sie haben es für 250.000€ gebaut. Der Zeitwert ist dann etwa 225.000€. Von dem werden 45.000 nicht ersetzt. Das macht einen Verlust - ich nenne es Enteignung - für sie von   40.000+1200+1000+2400+45000 = ca. 90.000€. Und da sind Dinge wie Finanzierungskosten und Einbaumöbel, die sie nicht mitnehmen können, Investitionen in den Garten etc. nicht mitgerechnet. Nach dieser Rechnung haben Sie nach dem Abriss ca. 202300€ . Wenn Sie damit woanders ein gleichwertiges Haus hinstellen wollen, dann brauchen sie einen Baugrund. Wahrscheinlich werden Sie dafür 70€ pro m² zahlen müssen. Das sind bei 800 m² 56.000€ mit Grunderwerbssteuer etc. bleiben Ihnen von der Förderung noch 142000€ . Wenn Sie wieder ein gleichwertiges Haus haben wollen, müssen Sie (mit Berechnung der Inflation seit 2011; siehe Baukostenindex )um ca. 100000 mehr, also 350000€ zahlen müssen. Sie haben also - sollten sie in der Zwischenzeit nichts geerbt haben oder sonstwie Vermögen aufgebaut haben, einen Finanzierungsbedarf von etwa 210000€ nur damit sie genau so wohnen wie bisher. Wahrscheinlich geht es Ihnen aber so wie den meisten Familien, dass Sie vom alten Hausbau noch einen Kredit offen haben. Die dort aushaftende Summe müssen Sie noch dazuzählen. Haben Sie schon mit Ihrer Bank gesprochen ? Wenn Sie Pech haben, wird die Bank der Finanzierung gar nicht zustimmen.

 

     Ich glaube daher, dass für Viele die heute an Absiedlung denken, es eine bessere Lösung wäre, wenn Hochwasserschutzmaßnahmen dafür sorgen, dass Sie in Hagenau nicht mehr vom Hochwasser bedroht sind. Dann könnten Sie wirklich frei entscheiden, ob es Ihnen dort gefällt, oder ob sie ihr Haus verkaufen wollen. Dann bekommen sie 100% vom Zeitwert des Hauses und 100% vom Grundstückswert das wären nicht 202300€ sondern wahrscheinlich 315.000€.

 

     b) Nehmen wir an, Sie nehmen das Absiedlungsangebot nicht an. Dann gilt: ihr Besitz ist massiv entwertet. Einerseits gilt die Gegend als Flutungsgebiet und es wird bei Kraftwerksbetreibern und Politik niemand mehr darauf Rücksicht nehmen, dass sie noch da sind. Wenn  wieder mal ein Machlanddamm zu retten ist oder ein Bieber vorm Ertrinken steht: egal das Wasser wird auf Ihr Grundstück geleitet. Dazu sind Überflutungsgebiete ja auch da. Selber schuld, wenn Sie sich damals nicht um 90.000€ enteignen lassen wollten. Wenn sie es sich später anders überlegen oder aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen ihr Haus verkaufen wollen oder müssen , dann können Sie sich ausmalen, dass sie kaum mehr was drum bekommen. Schwer zu sagen, was der Markt dann noch hergibt. Das hängt davon ab ob Hochwässer wirklich häufiger kommen, oder 20 Jahre lang keines mehr kommt. Aber wahrscheinlich ist viel wichtiger, dass der Baugrund massiv entwertet ist, weil kaum Erweiterungen möglich sind. Da der Verbund keine Veranlassung sieht die Stauräume auszubaggern - es gibt je eh die Überflutungsgebiete - werden Überschwemmungen im Überflutungsgebiet wohl eher häufiger werden, fürchte ich. Sie werden daher nur einen Bruchteil der Errichtungskosten für ihr Haus bekommen. Da wird die Enteignungssumme leicht 200.000€ oder mehr ausmachen. Wenn sie bleiben wollen, dann werden sie wohl besser sehr massiv in (privaten) Hochwasserschutz investieren wollen. Das geht heute technisch. Kostet aber eine Menge Geld. Leider ist Ihr Haus nach dem 1.1.1990 erricht worden. Das heißt es gibt keine Fördermittel dafür. In diesem Punkt kann ich mir jedenfalls auch bessere Lösungen vorstellen.

 

     c) Nehmen wir an, Ihr Haus steht in der violetten Zone, so wie meines. Nun da denken Sie , Sie wären gar nicht betroffen? Falsch gedacht! Erstens  heisst violett nichts anderes als: darüber wird erst später entschieden. Es kann also sein, dass Sie sich einige Jahre später in der (erweiterten) gelben Zone wiederfinden. Dann siehe a) oder b). Widerstand gegen Enteignungen wird dann aber viel schwieriger, dann die Verantwortlichen werden sagen: was regen Sie sich denn so auf, die Hagenauer haben auch absiedeln müssen! Oder es bleibt halt violett. Die Entscheidungen werden auf noch später verschoben - sowas soll in Österreich ja vorkommen. Dann wird das nächste Hochwasser kommen und die gelbe Zone wird geflutet. So ist es ja geplant. Jetzt stellen Sie aber mit Entsetzen fest, dass sich das Wasser keineswegs an die Grenzen zwischen gelber und violetter Zone hält und einfach in die violette Zone hinüberrinnt. Und zwar viel höher als 2013 ! Wie kann das sein ? Wenn man sich den fast schnurgeraden Strich von Pösting zur Pfeiffersiedlung anschaut sieht man gleich, das die Zonengrenzen kaum etwas mit Geländehöhen zu tun haben. Das heißt: wenn die gelbe Zone als Überflutungsraum genutzt wird, dann ist auch die violette Zone betroffen. Nun jeder der ein Haus kaufen will und sich ein wenig erkundigt, wird solche Überlegungen auch anstellen. Selbst wenn kein Hochwasser kommt, ist damit mein Haus heute schon allein durch die Unsicherheit: wird mein Grundstück noch zur gelben Zone, wird es Hochwasserschutzmassnahmen (Dämme) geben , entwertet. Auf absehbare Zeit wird kaum ein Haus hier einen Käufer finden. Wer aus beruflichen, finanziellen oder gesundheitlichen Gründen verkaufen muss, hat Pech gehabt.

 

     Da halte ich doch Hochwasserschutz für die bessere Lösung als Absiedlungspläne, bei denen *alle* Betroffenen draufzahlen !

 

     Zone: Bei uns violett aber das sagt nicht viel (siehe oben)

 

 

Wenn ja - wie hoch hatten Sie das Wasser im Wohnraum? (Küche, Wohnzimmer, Eßzimmer, Vorzimmer, etc.)

 

                 Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Alltag ohne Küche? ohne Wohnzimmer? dafür aber mit lärmenden Trocknungsgeräten für Monate?

 

 

 

Wasserstand: Wir hatten (dank relativ guter Selbstschutzmaßnahmen und intensivem Pumpeneinsatz nur 5-10 cm Wasser im Keller; etwa 30cm in der Garage). Ich weiss schon dass das NICHTS ist im Vergleich zu Wasser und Schlamm im Wohnbereich. Ich habe mehr als nur einen der freiwilligen Helfer weitergeschickt und gesagt: gehts dort hinüber, die haben Hilfe weit nötiger als wir.

 

           Wie ist es Ihnen (ich nehme an Sie haben Familie, Kinder) ergangen, wenn die Kinder von der Schule nach Hause kamen - hungrig und  müde - nur essen wollend und relaxen auf der Wohnzimmercouch? Wo doch kein Wohnzimmer da war- und das Zubereiten von Speisen über Monate hinweg für 4 Personen ein “Kunstgriff” war? Ich würde mich über einen Erfahrungstausch mit Ihnen freuen.

Kennen Sie das Dokument “Die Geschichte der Donau”? Empfehlenswert - wurde dort doch schon 1526, zu Zeiten als Goldwörth samt Hagenau noch vom passauischen Verwaltungszentrum Ebelsberg verwaltet wurde, von Familien in Hagenau berichtet, deren Höfe “praktisch zur Gänze unter Wasser lagen…” 1670 wurde berichtet, dass Ansuchen auf Abgabenerleichterung (aufgrund Ernteminderung und Schäden am Hof durch Hochwasser) meist dahingehend beantwortet wurden, DASS BESITZER AN ORTEN BAUEN SOLLTEN, DIE NICHT SO GEFÄHRDET WAREN.

 

             Leider ist mir diese Tatsache erst seit Recherchen nach dem Hochwasser 2013 bekannt geworden. Offensichtlich müssen ortsansässige Politiker/Bürgermeister bescheid gewusst haben über das Risiko und HABEN TROTZDEM Gründe in Bauland umgewidmet - was an und für sich nicht tragisch ist - wäre mit Ehrlichkeit und Vernunft an die Sache herangegangen worden - und eine an die Situation angepasste  BAUORDNUNG Vorschrift gewesen. Wir haben beim Grundstückskauf - wir viele andere auch - versichert bekommen  - die Kraftwerke regeln die Donau - keine Gefahr. Positiv denkend und mit der Einstellung “im Zweifelsfall gilt die Unschuldsvermutung” stufe ich diese Aussage jetzt als Wunschdenken ein, es wird ja doch nicht Eigennutz dahintergesteckt sein?. In Hagenau hätte niemals ohne Bauordnung gebaut werden dürfen - Kraftwerk hin, Kraftwerk her.

 

 

 

 

     Geschichte: Als wir 1994 gebaut haben hieß es (zumindest für unsere Siedlung): das letzte Hochwasser ist dreißig Jahre her und das letzte große Hochwasser ist 40 Jahre her (1954). Da war die Gegend einen Meter überflutet. Aber das kann man mit der heutigen (1994) Situation nicht vergleichen, denn erstens gibt es ja jetzt die Kraftwerke, die dienen auch dem Hochwasserschutz und 1954 war ja ohnehin ein Sonderfall mit der Sprengung bei Kachlet. Es hat uns aber niemand verheimlicht, dass wir im Bereich eines 100jährlichen Hochwassers bauen. Wir mussten das sogar extra unterschreiben, dass wir das zur Kenntnis genommen haben. Ich denke das ist bei Ihnen nicht anders gewesen. Daher hüte ich mich auch vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Das heißt: die Bürgermeister haben das gewusst. Die Bauwidmungen folgten aber der Erfahrung: seit es Kraftwerke gibt, haben wir Hochwasserschutz. Jedenfalls war deutlich, dass die Situation in Goldwörth zur Jahrtausendwende mit dem Kraftwerk nicht mehr mit der von 1526 ohne Kraftwerk vergleichbar ist. 2002 war ja wieder ein Sonderfall. Da kam das Wasser ja gar nicht so sehr von der Donau, sondern vom Pesenbach und von der Rodl. Bei diesen Flüssen wars sicherlich mehr als ein 100jährliches Ereignis und man konnte sich sagen: das kommt so schnell nicht wieder. Was zumindest für die letzten 12 Jahre auch gestimmt hat.

 

     Was 2013 passiert ist, ist in meinen Augen aber keine unabwendbare Naturkatastrophe gewesen. Man hätte mit Intelligenz, Ideenreichtum und vorausschauendem Handeln verhindern können, dass das Hochwasser diese Ausmasse annimmt.

 

     Ich denke, dass Kraftwerke auch heute noch vor Hochwasser schützen können. Dazu muss aber der Stauraum ausgebaggert werden. Das ist nämlich der Umstand, der sich in den letzten 40 Jahren massiv verändert hat. Und die Wehrbetriebsordnung 2008 für Asten (1m höheres Stauziel) , die den Rückstau bei Ottensheim verstärkt hat, muss korrigiert werden.

 

 

             Nun zur Beantwortung Ihrer Fragen:

 

             Wie seid ihr denn zu Absiedlungswilligen geworden?

 

             Indem ich selbstbestimmt entscheiden kann und eine Kosten - Nutzenrechnung angestellt habe. Ich mich für  Lebensqualität entscheide - eine gemütliche Runde mit Freunden im sommerlichen Gastgarten ist mir allemal lieber als Gummistiefel, Räumdienste in den 1. Stock und ein Campingfeeling weil keine Küche vorhanden ist für Monate. Ich treffe Entscheidungen aufgrund von gemachten Erfahrungen - und entscheide mich klar dafür solchen Ereignissen  in meinem Leben von mir und auch meinen Kindern keinen Platz mehr zu geben.

 

 

     Den Antworten auf meine Fragen entnehme ich: Sie möchten absiedeln, weil Sie den ganzen Dreck und die Mühe etc. bei einem weiteren Hochwasser keinesfalls mehr erleben wollen.

 

Glauben Sie mir, das kann ich Ihnen nachfühlen. Ich habe den gleichen Wunsch !

 

Aber ich sehe *zwei* Möglichkeiten diesen Wunsch zu verwirklichen:

     a) absiedeln bzw. flüchten (ganz nach dem Motto : hinter mir die Sintflut)

     b) etwas gegen künftige Hochwasser unternehmen und bleiben!

 

 

Wart ihr schon 2001 Absiedlungswillige ?

 

             Nein. 2001 haben wir noch nicht in Hagenau gewohnt. Unser Grundstück wurde von Grünland auf Bauland umgewidmet im Jahr 2001. Wir haben nach Vorgaben der Gemeinde gebaut und 1,2 m Donauwasser im Erdgeschoss gehabt- 3m über Straßenniveau!!! - bezweifle dass da Pumpen&Co von ihrer “Notfallempfehlung” noch helfen. Es ist einen Versuch wert - ich lade Sie gerne im Bedarfsfall zum Testen sowie zum Aufräumen ein

 

 

 

Nach den Jahren 2001 und 2012 habe ich gefragt, weil das die Jahre vor einem Hochwasser waren. 2001 war Goldwörth jedenfalls Gold wert und keiner wollte flüchten. im Gegenteil: Viele sind - so wie Sie - gekommen. Auch 2012 wurden wieder viele neue Häuser gebaut.

 

             Wie sah das 2012 aus ?

 

             2012 verbrachten wir einen erinnerungswürdigen Familienurlaub in den USA. Dieses  Jahr haben wir keine konkreten Urlaubspläne. Wie sah bei Ihnen 2012 aus? Hatten Sie einen schönen Urlaub?

 

             Diese Frage ist wohl genauso irrelevant wie die Frage “Wie schaute es 2012 mit dem Absiedeln aus?

 

 

 

Die Frage: Wie schaute es 2012 mit dem Absiedeln aus ? Ist *nicht* irrelevant. weil damals sich (wieder) fast alle eine Zukunft ohne Hochwasser vorstellen konnten.

 

 

 

Zukunft und Vergangenheit sollten nicht vermischt werden. Einzig eine Meinungsfindung der Gegenwart zählt, und diese wird aus vergangenen Erlebnissen/Erfahrungen gefunden und nicht aus zukünftigen.

 

 

     Zukunft und Vergangenheit: Da bin ich ganz anderer Ansicht als Sie. Wenn ich weitreichende Entscheidungen treffe, dann schaue ich meine Erfahrungen (die Vergangenheit) an aber auch die Zukunft. Und es gibt immer mehr als eine mögliche Zukunft. Ich bin überzeugt, dass wir mit besseren Lösungen auch eine bessere Zukunft schaffen können, die es Einigen, die heute ans Absiedeln denken, ermöglicht zu bleiben und verhindert, dass alle enteignet werden.

 

 

             Seid ihr vielleicht irgendwann ganz im Gegenteil willig gewesen ins Eferdinger Becken zu übersiedeln ?

 

             ja. aber nur weil ich angelogen wurde und Wahrheiten und Tatsachen zurückgehalten  wurden, welche leider erst jetzt nach einigen Recherchen kommuniziert/zugegeben wurden. Hagenau - und das ist meine persönliche Meinung, ich spreche nur für mich - ist stark gefährdet und wäre die Wahrheit kommuniziert worden seitens der Gemeinde (Bauordnung) und hätte man sich nicht hinter “das Kraftwerk regelt” versteckt, hätten wir als Familie weder unser gesamtes Erspartes + Kredit investiert - und schon gar nicht hätten wir Energie und Lebenszeit in die Errichtung unseres Hauses in Hagenau investiert.

 

 

 

             Ich wünsche Ihnen noch viel Energie und Erfolg bei Ihrem Engagement, auch wenn mir unklar ist, warum für Sie das Thema Absiedeln so eine hohe Priorität hat, ist es doch meiner Meinung nach nur Thema der Betroffenen (in einer Absiedelungszone wohnenden) - und glauben Sie mir - für uns alle ist es schwer genug, trotzdem respektieren wir untereinander alle Meinungen - jeder muss für sich entscheiden, jeder hat eine eigene Lebensgeschichte - aber bitte es ist UNSERE Geschichte, weil WIR betroffen sind.

 

            

 

 

 

 

Ein Gespräch mitsamt einer Erörterung wo der Unterschied zwischen Wasser im Keller und Wasser im Wohnraum liegt kann ich Ihnen im Sinne einer Horizonterweiterung empfehlen. Wer beides erlebt hat, weiß nicht nur den Unterschied im Sinne einer Schadenssumme sondern weiß auch welchen Unterschied das für die Lebensqualität über Monate bedeutet.

 

            

             Freundliche Grüße

             …….

 

 

 

 

Horizonterweiterung: Ich brauche mir keine überschwemmten Häuser mehr anschauen. Das habe ich bereits vor einem Jahr getan. Jeder, der sich schon mal über einen Rotwein-Fleck am Teppich geärgert hat, kann sich vorstellen, dass 10 cm Schlamm im Wohnzimmer auch nicht gut sind.

 

     Ich möchte Horizonte auch dahingehend erweitern, dass es nicht so ist, dass wir alles was unsere Verwaltung beschließt, gleich so akzeptieren müssen. Wir müssen Alternativen aufzeigen und uns dafür einsetzen. Dazu müssen wir nicht gleich auf die Barrikaden steigen und eine Revolution anzetteln. Wir haben LR Anschober gefragt, warum denn nach 2002 im Machland ein Damm gebaut worden ist und bei uns im Eferdinger Becken ist nichts geschehen. Seine Antwort war sinngemäß: Die Leute dort haben einen Damm verlangt (und ihr habt nichts getan). So einfach kann es sein. Also suchen wir nach besseren Lösungen. Zum Beispiel bei der Veranstaltung am 29.2. – siehe …

 

     Wer nicht sagt was er will, darf sich nicht wundern wenn er nicht immer bekommt, was er braucht.

 

     Vielleicht kommt es zu einer ersten Horizonterweiterung wenn Absiedlungswillige erfahren, auf welchen Zeitwert ihr Haus geschätzt wird. Zu einer zweiten Horizonterweiterung könnte es kommen, wenn die Ersten über ihren Finanzierungsbedarf für die Zeit vom Auszug über den Abriss bis zur Auszahlung des Förderbetrags und dann weiter über den womöglich geplanten Neubau bis hin zur Bezugsfertigkeit der neuen Bleibe mit der Bank gesprochen haben.  Zu einer dritten Horizonterweiterung könnte es dann kommen, wenn Manche feststellen dass die 80% des Zeitwertes vom alten Haus mit dem Wiederbeschaffungswert bzw. den Kosten eines neuen Hauses (schlüsselfertig!) oder einer Wohnung aber auch gar nichts zu tun haben. Da werden manche feststellen, insbesondere die ganz Jungen, die noch einen hohen Kredit laufen haben und die über 60jährigen, die keinen mehr bekommen, dass sie sich das Absiedeln in der Form wie sie sich das vorstellen, gar nicht leisten können.

 

     Nun: Ich kanns Ihnen nicht verübeln, wenn Sie noch eher an Finanzierungslösungen als an bessere Lösungen beim Hochwasserschutz glauben. Wenn Sie unbedingt fort wollen, dann können und sollen Sie das tun.

 

     Aber wenn wir unsere Ziele erreicht haben und wir das dann in gemütlicher Runde mit Freunden ohne Gummistiefel im sommerlichen Gastgarten in Goldwörth sitzend gemeinsam feiern, sollten Sie nicht den Trümmern Ihres Hauses, der früheren (niedrigen) Kreditrate und Ihren enteigneten 90.000€ nachweinen.

 

     Mit freundlichen Grüßen

 

     Gerald Zincke