Fragen von Dr. Klaus Arthofer an die Initiative Hochwasserschutz Eferdinger Becken

 

Antworten der Initiative Hochwasserschutz Eferdinger Becken

 

 

Hallo!

 

Ich war letzten Samstag bei Eurer Info-Veranstaltung und möchte vorerst zum Ausdruck bringen, dass ich Eure Initiative sehr schätze und sehr froh bin, dass Ihr Euch dieser existentiellen Problematik so professionell annehmt.

Ich habe am Schluss der Veranstaltung eine Frage bzgl. des von Euch geschätzten Effekts bzw. des Potentials des von Euch entwickelten Masterplans gestellt und war ob der positiven Antwort (Wiederherstellung der Hochwasser-Wahrscheinlichkeit der 70er-, 80er- bzw. 90er Jahre) sehr erleichtert.

Obwohl ich es gerne einfach glauben möchte, wäre ich für eine nachvollziehbare Differenzierung dieser Schätzung bzw. einen Verweis auf entsprechende Quellen sehr dankbar.

 

 

 

Wie erwähnt: eine HW Katastrophe hat viele Ursachen und daher brauchen wir viele Maßnahmen, die im Zusammenwirken ihren Nutzen entfalten.

 

Maßnahme 1: Wie sich die Rückkehr zur WBO 2007 für Asten sich auswirkt, haben wir im Vortrag genau beschrieben. Wir haben berechnet: Bereits bei einem um 0,5 m niedrigeren UW-Pegel beim KW Ottensheim hätte sich die Überflutungsdauer durch den Rückfluss

  1. des Innbachs von ca 66 auf ca 50 Stunden              
  1. des Pesenbachs von ca 42 auf ca 24 Stunden

reduziert , was eine drastische Reduktion der Wassermengen im Eferdinger Becken und damit der Überflutung bedeutet hätte ! Maßnahme 1 betrifft aber auch die WBO Ottensheim.   In der WBO 2007 waren 1530 m3/sec Abwurf ins Eferdinger Becken (bei den Überlaufstrecken in Landshaag und Brandstatt) bei einer Wasserführung von 8920 m3/sec vorgesehen. Für die WBO 2008 wurden dann 1626  m3/sec berechnet.  Tatsächlich waren es dann beim HW 2013 1800 - 1900m3/sec.

 

Wenn weniger zufließt und mehr abfließt, dann muss  sich das positiv auswirken. Geht gar nicht anders. Alle Quellen dazu finden Sie hier:  http://www.hochwasserschutz-eferdinger-becken.at/images/Dokumente/AntragAufParteienstellungUndEinwendungen.pdf

 

Maßnahme 2: Die Wirksamkeit der Kettenstauregelung hängt von sehr vielen Parametern ab. Dass es grundsätzlich funktioniert haben wir im Masterplan mit Quellen belegt. Wir haben auch eine grobe Abschätzung durchgerechnet. Es ist damit mindestens eine Reduktion der Welle um 800m³/sec über 34-41 Stunden erzielbar. Das hätte beim Hochwasser 2013 ausgereicht um den berühmten Anstieg in der Nacht vom 3. auf 4.6. zuverlässig zu verhindern. Eine ähnliche Abschätzung gibt es  in  https://www.youtube.com/watch?v=XN_B1MCd7x0 (ab 1:37) . Im Masterplan haben wir auch eine TU Studie dazu zitiert. Aber am eindrucksvollsten finden wir einfach den Praxisbeweis:  http://www.hochwasserschutz-eferdinger-becken.at/index.php/intelligente-wehrordnung-verhindert-hochwasser

 

Maßnahme 3: Das Ausbaggern oder Absaugen von Sedimenten verstärkt die Wirksamkeit der Kettenstauregelung, weil mehr Volumen zur Verfügung steht. Darüber hinaus beugt das der Verschlammung von Kulturflächen bei Überflutungen und dem Austrocknen von Augebieten vor.  

 

Maßnahme 4: Die Wirksamkeit von Flutpoldern ist ebenfalls in der Praxis hinreichend bewiesen. Siehe etwa hier:  https://www.youtube.com/watch?v=IhamwoDqRWI . Wie viele Zentimeter Pegelreduktion hängt natürlich von der Größe des Polders ab. Bayern will an der Donau mindestens 5 Flutpolder bauen. Da summiert sich natürlich die Wirkung. Auch am Rhein gibt es mehrere.

 

Wir sind überzeugt, dass mit diesen vier Maßnahmen das Hochwasser 2013 zuverlässig verhindert hätte werden können. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass es in der Geschichte noch größere Hochwässer gegeben hat und geben wird. Es hat aber wenig Sinn, sich gegen ein Hochwasser zu schützen, das nur alle 500 Jahre auftritt. Das wäre einfach zu teuer. Darum sprechen wir bei Lösung 1 im Masterplan auch von "HW Häufigkeit senken" und nicht "HW verhindern".

 

 

Ich möchte auch möglichst viele Leute zur Kundgebung mitnehmen (oder gibt’s da eine Höchstanzahl / 600?) und mich für deren Begeisterung bzw. möglicherweise kritischen Rückfragen auch entsprechend rüsten.

Ich schätze, Ihr habt entsprechende Anfragen oder entsprechende Kritiken auch schon von Behördenseite bekommen (Zitat Veranstaltung: „ … Anschober findet es irreal …“) und könnt mir diesbzgl. ohne größeren Aufwand helfen.

 

 

 

Höchstzahl an Teilnehmern?
Nein, die gibt es nicht. Wir freuen uns, wenn Sie viele Teilnehmer aktivieren!

 

Ja in der Einwandsbeantwortung sind wir mittlerweile geübt. Das ist aber meist nicht besonders schwierig, denn falsche Aussagen führen immer irgendwo zu einem Widerspruch. Und die Aussagen von Politikern und sogenannten Fachleuten zum Thema sind voll von Fehlern. Wenn Sie sich *wirklich* schlau machen wollen, dann empfehle ich Ihnen die Seite http://www.hochwasserschutz-eferdinger-becken.at/index.php/wie-sie-sich-die-lizenz-zum-fluten-besorgen-wollten mit den dort referenzierten Dokumenten .

 

Aber im Grunde steht ohnehin alles im Masterplan drin. Es lohnt sich wirklich diesen zu lesen; wenn man auskunftsbereit sein will auch die Fussnoten. Aber auch unseren offenen Brief an LR Anschober kann ich empfehlen: http://www.hochwasserschutz-eferdinger-becken.at/images/Dokumente/AntwortAnLR.pdf. Da sind die wichtigsten Themen drin. 

 

Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter!

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Zinke!

 

Danke für Ihre umgehende und ausführliche Antwort! Sehr gerne können Sie meine Fragen und wenn Sie wollen auch meine Reaktion auf Ihre Antwort online stellen.

 

Obwohl ich schon seit 2002 mit Hochwasser zu tun habe und 2013 schließlich selbst betroffen war, betrachte ich mich diesbzgl. als Laie.

Und obwohl ich die von Ihnen angegebenen Quellen nur stichprobenartig gelesen habe, bin ich mir der Evidenz Ihrer Angaben bzw. Ihrer Kompetenz in Sachen Hochwasserschutz sicher.

Denn die von Ihnen zitierten Quellen zeugen für mich auch ohne profunde Sachkenntnis und Detailstudium meinerseits von der oberflächlichen und erschreckend weitgehend ignoranten Handhabung unserer Anliegen bzw. der Hochwassersituation in Eferding seitens der Behörden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Klaus Arthofer